Wann Legal Tech in der Juristik keine Anwendung finden sollte

Die juristische Welt ist im Umbruch: Law Tech, Software mit künstlicher Intelligenz, automatisierte Vertragserstellung, Video-Konferenzdienste und sogar Robo-Anwälte haben in vielen Kanzleien und Rechtsabteilungen Einzug gehalten. Aber kann die neuste Technologie Ihnen wirklich einen Nutzen bringen? Sie haben doch bisher viele glückliche Berufsjahre mit Diktiergerät und Papierakten gemeistert und einige Erfolge verbucht. Warum sollten Sie nun plötzlich auf Digitalisierung setzen und sich von Ihrer lieb gewonnenen Routine verabschieden?

Gehören Sie zu denjenigen Juristen, die Innovationen und Legal Law Anwendungen noch immer ablehnend gegenüberstehen? Wenn folgende Statements auf Sie zutreffen, dann brauchen Sie Ihre Haltung nicht zu überdenken. 

 

Sie haben zu viel Zeit 

Wenn Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz häufig langweilen, sollten Sie lieber keine modernen Legal Tech Lösungen etablieren. Stellen Sie sich vor, dass eine Software Ihre Verträge automatisch erstellt und Ihnen Stunden über Stunden erspart. Und wenn Sie später einmal eine unzulässige Klausel in allen bestehenden Altverträgen aufspüren möchten, nimmt das Programm Ihnen wieder die ganze Arbeit ab. Kein geruhsames Blättern und Suchen mehr, stattdessen erscheinen alle Passagen in sämtlichen Verträgen nach ein paar Mausklicks auf dem Bildschirm. Und was sollen Sie dann den ganzen Tag im Büro tun?

Der Einsatz von Legal Technologies kann zu einer erheblichen Zeitersparnis bei den alltäglichen Büroarbeiten führen. Wer seine Akten digital verwaltet, findet bestimmte Stellen sofort auf, und durch die Zugriffsmöglichkeiten anderer Berechtigter von jedem Ort aus entfallen Transporte, Anfragen und Suchaktionen zwischen den Abteilungen oder zwischen Bearbeiter und Sekretariat. Wer eine intelligente Vertragssoftware nutzt, kann außerdem seine Schriftstücke aus vorgefertigten Textbausteinen im Handumdrehen entwerfen und laufende Verträge schnell und einfach überprüfen. 

 

Sie verdienen zu viel Geld 

Die Plage mit dem vielen Geld trübt die Lebensfreude vieler Anwälte. Das Konto ist hoffnungslos überfüllt, der Tresor zum Platzen voll, aber zum Ausgeben fehlt einfach die Zeit. Dieses Problem können Sie lösen, indem Sie wenig Umsatz generieren und hohe Bürokosten erzeugen. Verzichten Sie darauf, kostensparende Technologien in Ihren Kanzleialltag zu integrieren. Lassen Sie lieber sämtliche Routinearbeiten von teuren Mitarbeitern in stundenlanger Handarbeit erledigen.

Auch wenn eine moderne Technologie erst einmal mit Anschaffungskosten verbunden ist und etwas Einarbeitungszeit erfordert, die Umstellung kann sich in finanzieller Hinsicht nur auszahlen. Bei einer vollständig digitalen Aktenführung können fast alle Mitarbeiter vom Homeoffice ausarbeiten, sodass sich viele teure Büroflächen erübrigen. Außerdem werden durch automatisierte Abläufe Kapazitäten Ihrer Sekretariatskräfte frei, die anderweitig eingesetzt werden können. Mit Hilfe moderner Technologie lässt sich eine Masse von ähnlichen Verfahren in kurzer Zeit bearbeiten, sodass Sie bei gleichbleibender Auslastung ein deutlich größeres Auftragsvolumen bewältigen können. 

 

Sie möchten keine Mandanten mehr gewinnen 

Gehen Ihnen die vielen zufriedenen Mandanten auf die Nerven? Schenken glückliche Auftraggeber Ihnen immer wieder Präsentkörbe und Blumensträuße und empfehlen Sie auch noch in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis weiter? So bekommen Sie nur immer noch mehr Mandate. Brechen Sie aus diesem Teufelskreis aus, indem Sie an veralteten Kommunikationsmitteln festhalten und nur schlecht und selten erreichbar sind. Weigern Sie sich, zeitgemäße Cloud-Lösungen einzuführen, die Ihren Mandanten eine schnelle und komfortable Datenübermittlung erlauben. Verweisen Sie sie lieber auf den althergebrachten Weg per Post, Fax und Festnetztelefon. Klienten aus dem Ausland, die etwa per Videochat kommunizieren möchten, gewinnen Sie dann nicht. Und die junge Generation wird sich direkt an Ihre fortschrittlichen Kollegen wenden.

Verbraucher erwarten heute, dass sie schnell und einfach auf digitalem Weg mit ihrem Anwalt in Kontakt treten können. Jüngere Menschen sind daran gewöhnt, Dateien per Klick vom Smartphone zu übermitteln und qualifizierte Rückmeldungen zeitnah auf demselben Weg zu empfangen. Anwälte, die sich Innovationen im Bereich der Kommunikation verweigern, verpassen bei der Akquise jetzt den Anschluss. 

 

Sie lieben monotone Routinearbeiten 

Simple, sich stetig wiederholende Tätigkeiten können einen meditativen Effekt entfalten. Ob Sie stricken, Marmelade kochen oder Ihre kiloschweren Akten auf einzelne Formulierungen durchsuchen, Sie werden die beruhigende Wirkung auf Geist und Seele spüren. Und wer nach mehreren Stunden Recherche in der staubigen Gerichtsbibliothek endlich die passende Urteilspassage gefunden hat, freut sich viel mehr über den Erfolg, als wenn das Ergebnis direkt nach Schlagworteingabe auf dem Bildschirm erschienen wäre.

Nach wie vor verbringen Anwälte und Syndizi einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Routineaufgaben, für die ihr juristisches Know-how nicht erforderlich ist: Auffinden von Passagen in Dokumenten, Recherche in Rechtsprechungsdatenbanken oder manuelle Erstellung von Anträgen und Verträgen. Anstatt sich mit lästigen Hilfsarbeiten abzuplagen, könnten sich Juristen mit interessanten Fragen befassen und ihren Arbeitsalltag als zufriedenstellender und sinnvoller empfinden. 

 

Fazit 

Der Einsatz von Legal Tech bietet eine Reihe von Vorteilen, von denen nicht nur Juristen, sondern auch ihre Auftraggeber profitieren. Kanzleien können durch ihren Auftritt in der digitalen Welt die Nachfrage steigern und zugleich ein größeres Auftragspensum abarbeiten. Der Einsatz moderner Technologien ermöglicht eine schnellere Bearbeitung von Standardanfragen bei verringerter Fehlerquote. Mit aktuellen Kommunikationstools können alle Verfahrensbeteiligten ihre Eingaben von überall in Echtzeit übermitteln und stets den aktuellen Stand einsehen. Anwälte und ihre Mitarbeiter werden örtlich ungebunden und können ihre Arbeitszeit flexibel bestimmen. Eine intelligente Kanzleisoftware vereinfacht außerdem die Kommunikation zwischen Syndizi und Firmenleitung, Anwälten und Mandanten, Bearbeitern und Sekretariatskräften. Schließlich dürfen sich die Juristen, die langweilige Standardprozesse ab jetzt dem Computer überlassen, endlich wieder ihrem eigentlichen Betätigungsfeld widmen und kniffelige Rechtsfragen lösen. 

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